Mannschaften - Bundesliga - Hofheim 12017 / 2018


5. und 6. Runde der 1. Bundesliga Link Bundesliga Ergebnisdienst Hamburg

5. Runde am 09.12.2017

    SV Hofheim                   -  FC Bayern München            4 : 4
1.  Volokitin, Andrei            -  Dragnev, Valentin            1 : 0
2.  Schroeder, Jan-Christian     -  Studer, Noel                 ½ : ½
3.  Savchenko, Stanislav         -  Bischoff, Klaus              0 : 1
4.  Ginsburg, Gennadi            -  Johansson, Linus             1 : 0
5.  Perske, Thore                -  Fedorovsky, Michael          0 : 1
6.  Lobzhanidze, Davit           -  Lindgren, Philip             0 : 1
7.  Gurevich, Vladimir           -  Rafiee, Makan                1 : 0
8.  Margolin, Boris              -  Gretz, Denis                 ½ : ½

6. Runde am 10.12.2017

    MSA Zugzwang                 -  SV Hofheim                  2½ : 5½
1.  Mons, Leon                   -  Volokitin, Andrei            0 : 1
2.  Bromberger, Stefan           -  Schroeder, Jan-Christian     0 : 1
3.  Hertneck, Gerald             -  Savchenko, Stanislav         ½ : ½
4.  Zysk, Robert                 -  Ginsburg, Gennadi            1 : 0
5.  Hoffmeyer, Falk              -  Perske, Thore                0 : 1
6.  Schramm, Christian           -  Lobzhanidze, Davit           ½ : ½
7.  Gerigk, Erasmus              -  Gurevich, Vladimir           ½ : ½
8.  Lammers, Markus              -  Margolin, Boris              0 : 1

SV Hofheim holt drei wichtige Mannschaftspunkte

Der SV Hockenheim richtete die fünfte und sechste Runde der laufenden Bundesligasaison sehr schön im prestigeträchtigen Baden-Württemberg-Center aus, mitten im Hockenheimring mit bestem Blick auf die Rennstrecke.

Samstag, 9.12.2017, Runde 5

In einem hart umkämpften Match glich der FC Bayern München eine 3:1-Führung des SV 1920 Hofheim noch zum Unentschieden aus.

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Brett 3 GM Klaus Bischoff - GM Stanislav Savchenko

Die erste Entscheidung erzwingt Deutschlands bekanntester Schach-Kommentator, GM Klaus Bischoff, mit seiner typisch theoriefernen Behandlung der englischen Eröffnung. GM Stanislav Savchenko geht zum offenen Sizilianer mit vertauschten Farben über, in dem immer öfter die alte Faustregel, dass man das gegnerische Zentrum nicht mit ...Sxc3, bxc3 stärken sollte, verworfen wird. Heute jedoch dominiert die zentrale Bauernmasse des Anziehenden. Nach d3-d4 und c3-c4-c5 dringt Bischoff auf der c-Linie zur gegnerischen Grundlinie vor, mit entscheidendem Mattangriff.

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Brett 1 IM Valentin Dragnev - GM Andrei Volokitin

Gegen GM Andrei Volokitins Najdorf-Sizilianer fianchettiert IM Valentin Dragnev seinen Königsläufer, mit Übergang zu einer Scheveninger Struktur. An diesem Brett funktioniert der Abtausch Sxc6, ...bxc6 zunächst sehr gut; Weiß kann mit dem folgenden Sa4 und c2-c4 vorteilhaft das schwarze Bauernzentrum im Zaum halten. Bei knapp werdender Bedenkzeit entgeht dem Bayern dann allerdings ein taktischer Trick: Mit einem Figurenopfer öffnet Andrei die weiße Königsstellung und forciert gewinnbringende Materialgewinne. 1:1


Bundesligamannschaft Hofheim 1 Brett 4 GM Gennadi Ginsburg - IM Linus Johansson

GM Gennadi Ginsburg weicht den langen forcierten Theorieabspielen der französischen Winawer-Variante aus, indem er einfach auf d5 tauscht und eine symmetrische Zentrumsformation herbeiführt. IM Linus Johansson ergreift mit raumgreifenden Manövern am Damenflügel die Initiative, was nach einer taktischen Abwicklung zu einer schwarzen Mehrheit auf der linken Brettseite führt, gegen die weiße auf der rechten. Mit dem Damentausch geht Johansson zwar einem großangelegten Königsangriff aus dem Weg, in der Zeitnotphase knüpft Gennadi jedoch in einem Endspiel mit Turm und Springer gegen Turm und Läufer geschickt ein überraschendes Mattnetz. 2:1

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Brett 7 FM Makan Rafiee - GM Vladimir Gurevich

An Brett 7 erreichten die Spieler aus der sizilianischen O'Kelly-Variante mit Übergang zum c3-System eine typische Struktur mit verteilten Bauernmehrheiten, Weiß mit einer 3:2-Mehrheit am Damenflügel, Schwarz mit 4:3 am Königsflügel. Die etwas verhaltene Entwicklung von FM Makan Rafiee erlaubte es GM Vladimir Gurevich, mit einem typischen Minoritätsangriff am Damenflügel die weiße Bauernformation zu schwächen. Kurz bevor Vladimir einen gesunden Mehrbauern gewann, verwickelte Makan das Spiel durch das Opfer zweier Türme für die Dame, allerdings ohne aktive Aussichten für die stärkste Figur. Der Hofheimer behielt das Spiel unter Kontrolle und verwertete seinen Materialvorteil. 3:1

Trotz der komfortablen Führung stand das Match schon hier auf Messers Schneide, zwei verlorenen Stellungen standen eine vorteilhafte und eine leicht nachteilige gegenüber.

Brett 5 IM Michael Fedorovsky - IM Thore Perske

IM Thore Perskes Königsinder verlief zunächst planmäßig, nach dem Vormarsch ...f7-f5 nebst exf5 stand IM Michael Fedorovsky zwar das Feld e4 dauerhaft als Figurenstützpunkt zur Verfügung, das Feld d4 hätte jedoch eine gute Kompensation dargestellt, wäre nicht der Bauer g5 nach dem Vorrücken ....h7-h5 schwach geworden. Der Bayern-Spieler fixierte diesen mit g2-g4, wonach Thore sich nicht mehr befreien konnte und später verlor. 3:2

Brett 6 IM David Lobzhanidze - IM Philip Lindgren

In einem ruhigen Italiener nutzte IM David Lobzhanidze den Ausflug von IM Philip Lindgrens Dame nach b5 zum Bauernvormarsch f5-f6, was die gegnerische Königstellung schwächte und im Endspiel mit je zwei Türmen und Dame zu weißem Vorteil führen sollte. In Zeitnot ließ der Hofheimer jedoch die schwarze Dame via d3 zurück nach g6 gelangen, und nach deren Tausch und weiteren Zeitnotabenteuern verblieb Lindgren nach der Zeitkontrolle sogar mit einem gewonnenen Turmendspiel, das David nicht halten konnte. 3:3

Bundesligamannschaft Hofheim 1

Brett 8 IM Boris Margolin - Denis Gretz

In einem 2...e6-Sizilianer mit 3.c3 erspielte sich IM Boris Margolin im Mittelspiel gute Angriffschancen gegen die durch ...g6 geschwächte Königstellung von Denis Gretz. Ein weißer Springer kam bis nach f6, musste abgetauscht werden, und der sehr gefährliche weiße Bauer auf f6 versprach dem Hofheimer gewinnbringenden Angriff im Endspiel mit jeweils Turm und Dame. Aber auch im Turmendspiel gab es noch Chancen, letztlich verflachte dieses jedoch zum Remis. 3½:3½







Brett 2 GM Jan-Christian Schröder - GM Noel Studer

Im Tarrasch-Franzosen mit 3...h6 kam auch hier die typische Bauernstruktur mit verteilten Mehrheiten, schwarze 4:3 am Königsflügel gegen weiße 3:2 am Damenflügel zustande. Nach dem Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer platzierte GM Noel Studer seinen König auf e7 und griff mit den g- und h-Bauern an. Jan-Christian wich dem Damentausch lange aus, musste diesen angesichts der Attacke auf der h-Linie jedoch schließlich in nachteiliger Stellung erlauben, konnte die Partie nach langer und zäher Verteidigung jedoch Remis halten. 4:4

Angesichts der zwischenzeitlichen Führung und der ausgelassenen Chancen ein auf den ersten Blick etwas enttäuschendes Unentschieden, das jedoch angesichts der gegnerischen verpassten Möglichkeiten in Ordnung geht und in der morgen folgenden 6. Runde auf mehr hoffen lässt.

Sonntag, 10.12.2017, Runde 6

Hofheim I wird der Favoritenrolle gerecht und erspielt einen klaren 5½:2½-Sieg.

Brett 3 GM Stanislav Savchenko - GM Gerald Hertneck

Gegen die slawische Verteidigung von GM Gerald Hertneck verbuchte GM Stanislav Savchenko mit der ruhigen 3.Sf3-Variante bei beiderseits langer Rochade das Läuferpaar und eine 4:3-Mehrheit am Königsflügel, deren Vorankommen allerdings aufgrund des verdoppelten schwarzen g-Bauern kaum zu bewerkstelligen war. Da auch ein Spiel gegen die schwarze Mehrheit am Damenflügel nicht vielversprechend erschien und seine Bedenkzeit zu knapp wurde, gab sich Stanislav mit Remis zufrieden. ½:½

Brett 1 GM Andrei Volokitin - IM Leon Mons

Am Spitzenbrett wählte GM Andrei Volokitin gegen IM Leon Mons die in den letzten Jahren bei den Top-Spielern immer beliebter werdende ruhige Spielweise in der spanischen Eröffnung mit d2-d3. Die harmlos wirkende Fesselung des Sf6 mittels Lg5 erwies sich als recht giftig, als der Hofheimer im richtigen Moment die a-Linie öffnete, durch den Abtausch der Türme auf a8 die schwarze Dame ablenkte und schließlich durch Lxf6 eine empfindliche Schwächung der gegnerischen Königstellung erreichte. Sein Spiel auf den schwachen weißen Feldern hatte vollen Erfolg, Andrei gewann im Endspiel mit Turm und Springer gegen Turm und den nun schlechten schwarzfeldrigen Läufer. 1½:½

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Brett 2 GM Stefan Bromberger - GM Jan-Christian Schröder

In einer sehr scharfen Variante der schottischen Partie verließen GM Stefan Bromberger und GM Jan-Christian Schröder früh die gut ausanalysierten Zugfolgen und mussten jetzt halsbrecherische Verwicklungen am Brett berechnen. Der weiße c-Bauer marschierte mit Tempo vor und schlug eine Bresche in die schwarze Rochadestellung am Damenflügel, bei der Wahl der genauen Zugfolge für den folgerichtigen Opferangriff griff der Münchner jedoch fehl; Jan-Christian wehrte die Drohungen ab und verblieb mit einer Mehrfigur. 2½:½

Brett 7 GM Vladimir Gurevich - FM Erasmus Gerigk

Gegen die von FM Erasmus Gerigk gewählte Kalashnikow-Variante der sizilianischen Verteidigung festigte GM Vladimir Gurevich den weißen Raumvorteil im Zentrum mit c2-c4. Für die Kontrolle des Feldes d5 und die beengte schwarze Figurenstellung hatte Gerigk keine vollwertige Kompensation, so dass Vladimir zunächst etwas besser stand. Aber es gelang ihm nicht, seinen Vorteil zu stabilisieren, und angesichts des gut stehenden Mannschaftskampfes gab Vladimir die Partie Remis. 3:1

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Brett 5 IM Thore Perske - FM Falk Hoffmeyer

In der Caro-Kann-Vorstoßvariante nahm FM Falk Hoffmeyer nach dem Abtausch der weißfeldrigen Läufer auf f5 mit dem e-Bauern zurück. Zwar ließ sich der vereinzelte d-Bauer leicht schützen und Gegenspiel am Damenflügel war auch in Sicht, IM Thore Perske sorgte jedoch durch den prophylaktischen Vormarsch seines h-Bauern nach h5 dafür, dass der schwarze f-Bauern nicht mehr ohne weiteres von seinem g-Bauern gedeckt werden konnte. Dessen Gewinn sicherte ihm gute Siegchancen, die er im Endspiel souverän verwertete. 4:1

Brett 4 IM Robert Zysk - GM Gennadi Ginsburg

GM Gennadi Ginsburg verteidigte sich gegen die katalanische Eröffnung von IM Robert Zysk mit dem frühen Läuferschach auf b4 mit späterem Übergang zur Stonewall-Struktur durch ...Sf6-h5 und ...f7-f5. Der Münchner tauschte planmäßig zuerst die schwarzfeldrigen Läufer und danach auch die Damen, sein Vorteil nahm jedoch erst entscheidend Gestalt an, als es dem Hofheimer nicht gelang, rechtzeitig mit ...c6-c5 die Stellung für seinen Damenläufer zu öffnen. Die Chance, vorteilhaft den Damenflügel mit c4-c5 zu schließen, ließ sich Robert Zysk nicht nehmen. 4:2

Brett 8 IM Markus Lammers - IM Boris Margolin

In einer ruhigen Damenbauerneröffnung entwickelten beide Seiten ihre Königsläufer nach d3 bzw. d6 und fianchettierten den Damenläufer. Nachdem Schwarz mit ...c7-c5 ebenfalls den Zentralhebel ansetzte, war die Stellung fast symmetrisch, allerdings hatte IM Markus Lammers seine Dame auf die linke Brettseite nach c2 gestellt, während IM Boris Margolin nach der Öffnung des Zentrums mit dem Ausfall Dd8-h4 taktisch gefährliche Drohungen auf der rechten Seite gegen den weißen Königsflügel aufbaute. Die Verteidigung hatte das Nachsehen. 5:2

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Brett 6 FM Christian Schramm - IM David Lobzhanidze

Auch IM David Lobzhanidze spielte vom frühen Mittelspiel an auf mehr als Remis. Gegen FM Christian Schramms verhaltenen spanischen Aufbau mit d2-d3 wählte er Tschigorins Aufstellung ...Sa5 nebst ...c7-c5. Später folgten auf d3-d4 der Generalabtausch auf d4 und der zentrale Gegenschlag ...d6-d5, was ihm einen kleinen Vorteil im Endspiel mit zunächst jeweils Turm, Läufer und Springer sicherte. Seinen hartnäckigen Versuchen, den Vorteil auszubauen, hielt Christian allerdings stand, so dass auch die längste Partie des Tages schließlich bei fast leerem Brett ins Remis mündete. 5½:2½

Mit dem verdienten und sicheren Sieg haben wir eine gute Basis für den Klassenerhalt gelegt, für den allerdings noch hart gearbeitet werden muss.
(Erik Zude)