Mannschaften - Bundesliga - Hofheim 12018 / 2019


3. und 4. Runde der 1. Bundesliga in Viernheim
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3. Runde am Samstag, 24. November 2018 - 14:00 Uhr

    SV Hockenheim                -  SV 1920 Hofheim             4½ : 3½
1.  Anatoly Karpov               -  Jan-Christian Schröder       ½ : ½
2.  Ivan Saric                   -  Thore Perske                 1 : 0
3.  Alexander Moiseenko          -  Gennadi Ginsburg             0 : 1
4.  Arik Braun                   -  Mathias Womacka              1 : 0
5.  David Baramidze              -  Vladimir Gurevich            0 : 1
6.  Rainer Buhmann               -  Boris Margolin               ½ : ½
7.  Dennis Wagner                -  Dr. Erik Zude                ½ : ½
8.  Tamas Banusz                 -  Ulrich Weber                 1 : 0

4. Runde am Sonntag, 25. November 2018 - 10:00 Uhr

    SV 1920 Hofheim              -  SC Viernheim                 3 : 5
1.  Jan-Christian Schröder       -  Yuriy Kryvoruchko            ½ : ½
2.  Thore Perske                 -  David Anton Guijarro         0 : 1
3.  Gennadi Ginsburg             -  Dr. Bassem Amin              0 : 1
4.  Mathias Womacka              -  Sebastien Maze               ½ : ½
5.  Vladimir Gurevich            -  Igor Kovalenko               0 : 1
6.  Boris Margolin               -  Konstantin Tarlev            0 : 1
7.  Arno Zude                    -  Dr. Günther Beikert          1 : 0
8.  Ulrich Weber                 -  Maximilian Meinhardt         1 : 0

Hofheim I erreicht beinahe ein Remis gegen Titelaspiranten Hockenheim

In der dritten Runde der Bundesliga-Saison verpasste unsere 1. Mannschaft denkbar knapp eine Riesenüberraschung: Das 4:4 gegen den SC Hockenheim, Drittplatzierter der Vorjahressaison, lag zum Greifen nah. Wir gaben alles, konnten aber leider keinen Mannschaftspunkt mitnehmen, die 3½ Brettpunkte werden uns jedoch hoffentlich im Abstiegskampf zugute kommen.

Bundesligamannschaft Hofheim 1


GM Vladimir Gurevich sorgte für den ersten Höhepunkt. In einem ruhigen Italiener setzte GM David Baramidze verfrüht auf den Angriff am Königsflügel. Vladimir gewann mit einer „petit combinaison“ einen Bauern, der sich im Endspiel mit jeweils Dame und Turm als entscheidend erwies.
1:0



Bundesligamannschaft Hofheim 1



FM Ulrich Weber hatte in der symmetrischen Fianchetto-Variante des Grünfeldinders einen schweren Stand gegen GM Tamas Banusz, der zunächst die Entwicklung des schwarzen Damenläufers behinderte, diesen gegen einen weißen Springer abtauschte, um dann sein Läuferpaar geschickt im Spiel auf beiden Flügeln einzusetzen. Den Verlust des a-Bauern konnte Uli verhindern, der Angriff am Königsflügel brachte jedoch die Entscheidung.
1:1

Bundesligamannschaft Hofheim 1

Am Spitzenbrett lieferte GM Jan-Christian Schröder Exweltmeister Anatoli Karpow einen großen Kampf. Im modernen ruhigen Italiener musste die Schachlegende nach einem Gegenstoß im Zentrum eine Isolanistellung verteidigen, eine von der Art, gegen die er zahlreiche berühmte Modellpartien gewonnen hat. Er tauschte jedoch die richtigen Leichtfiguren und suchte im Endspiel mit Dame und Läufer gegen Dame und Springer erfolgreich Gegenspiel gegen den weißen König, sodass Jan-Christian einen inzwischen am Damenflügel gewonnenen Mehrbauern nicht verwerten konnte, Remis!
1½:1½

Bundesligamannschaft Hofheim 1


IM Boris Margolin verteidigte sich mit der slawischen Schlechter-Variante gegen GM Rainer Buhmann, den aktuellen deutschen Meister. Boris konnte den Damenflügel nur unter Inkaufnahme großer positioneller Schwächen abschließen, die er zäh verteidigte. Ähnliches passierte später am Königsflügel, sodass der Großmeister trotz des Eindringens seiner Dame kein Durchkommen fand, ebenfalls Remis.
2:2


Bundesligamannschaft Hofheim 1


IM Thore Perske lehnte im klassischen Franzosen das gefährliche Aljechin-Chatard-Gambit von GM Ivan Saric ab, wonach in einer geschlossenen Stellung beide Seiten an den Flügeln mit ihren Bauern vorstürmten. Auch nach dem Damentausch blieb die Partie sehr zweischneidig, beide Könige blieben in der Brettmitte. Zwar gelang es Thore die b-Linie zu öffnen und Angriffsobjekte in der weißen Stellung zu finden, der Angriff gegen seinen geschwächten Königsflügel war letztlich jedoch wirksamer.
2:3

Bundesligamannschaft Hofheim 1

GM Gennadi Ginsburg spielte eine sehr starke Partie gegen GM Alexander Moiseenko. Aus der Bogoljubow-Indischen Verteidigung ergab sich eine Isolanistellung, in der Gennadis aktive Figuren die Schwäche seines d-Bauern gut kompensierten. Mit einem Bauernopfer konnte Moiseenko zahlreiche Figuren tauschen, wonach sein Blockadespringer den Minusbauern aufwog. Als die Bedenkzeit knapper wurde, gewann Gennadi jedoch mit einem kleinen Trick einen Bauern am Königsflügel und führte dort später mit Dame, Turm und Läufer den entscheidenden Angriff!
3:3



Auch in dieser Phase durften wir uns durchaus noch Hoffnungen auf die große Überraschung machen!

Bundesligamannschaft Hofheim 1

GM Mathias Womacka hatte gegen die Englische Eröffnung von GM Arik Braun aus der Eröffnung heraus die bessere Bauerntruktur erlangt, die der Hockenheimer mit Aktivität wettmachen musste. In dieser frühen Phase konnte Mathias unmöglich ahnen, dass ein Remis reichen würde, und spielte — stellungs- und spielstandsgerecht — auf Vorteil. In den folgenden Verwicklungen opferte er schließlich eine Figur für starken Angriff auf der zweiten Reihe, der auch viel später noch für ein Remis hätte reichen können. Die Stellung war jedoch sehr kompliziert und nach einem Übersehen musste er sich geschlagen geben.
4:3

Bundesligamannschaft Hofheim 1

Damit war der Mannschaftskampf entschieden, da GM Dennis Wagner gegen IM Erik Zude über einen Mehrbauern im Damenendspiel verfügte. In der symmetrischen Fianchetto-Variante des Grünfeldinders hatte der Hockenheimer mit einem überraschenden taktischen Trick den scheinbar kräftigen d-Bauern gewonnen und nach dem kurz darauf ausgleichenden weißen Gegenspiel in Zeitnot den Hofheimer überspielt. Mit dem 41. Zug ließ er jedoch die Abwicklung in ein Damenendspiel zu, das nicht zu gewinnen war.
4½:3½

Ein knapp verpasster Mannschaftspunkt gegen die sehr starken Hockenheimer, was Hoffnung macht auf mehr.


Runde 4 | Sonntag 25.11.2018 | Viernheim

Gegen die nach Elo-Wertung ebenfalls übermächtigen, aber nicht ganz so starken Viernheimer kam am Sonntag leider nur wenig Spannung auf, wir konnten nicht mehr als ein respektables, letztlich aber doch recht klares 3:5 erkämpfen.

GM Dr. Bassem Amin und GM Gennadi Ginsburg folgten in der sizilianischen Rossolimo-Variante den Vorbildern der aktuellen Weltmeisterschaft. Bassem Amin rochierte lang und baute eine gefährliche Angriffsstellung gegen die kurze Rochade von Gennadi auf. Um dem Angriff zu entgehen opferte dieser einen Bauern, nach dem Damentausch verwertete Amin seinen Material- und Stellungsvorteil jedoch überzeugend.
0:1

Auch heute konnte GM Jan-Christian Schröder wieder überzeugen. Zwar geriet er gegen GM Yuriy Kryvoruchkos modernen 6.d3-Spanier im frühen Mittelspiel unter starken Druck, nach der Abwicklung in ein optisch vielversprechendes Endspiel mit jeweils Turm und Springer gelang es ihm jedoch, die Stellung zu halten. Zugwiederholung kurz nach der Zeitkontrolle.
½:1½

IM Thore Perske geriet ebenfalls schon früh in Schwierigkeiten. GM David Anton Guijarro antwortete sehr originell und scharf gegen Thores Versuch, früh die Brettmitte zu erobern, und opferte eine Figur. Thore kam nun nicht mehr zur Rochade, verteidigte sich zäh, die schwarzen Damenflügelbauern entschieden jedoch kurz nach der Zeitkontrolle den Kampf.
½:2½

GM Mathias Womacka konnte GM Sebastien Maze in einem klassischen Sizilianer in eine aussichtsreiche Version der dort typischen Doppelbauernstruktur manövrieren. Seinem Angriff gegen den in der Mitte stehenden König entzog sich Maze durch die Rochade zum durch den Doppelbauern geschwächten Königsflügel, um später weitere strukturelle Zugeständnisse zu machen. Trotzdem gestaltete sich das Endspiel später ausgeglichen und endete im Remis.
1:3

Zunächst war ein Mannschaftspunkt praktisch unerreichbar erschienen, bei einem 2-Punkte Rückstand standen zwei aussichtsreichen Partien zwei nachteilige gegenüber. Kurz vor der Zeitkontrolle keimte jedoch Hoffnung auf: Arno hatte aus einer gedrückten Stellung heraus mit einem taktischen Schlag Vorteil erreicht, und Uli sogar eine Qualität gewonnen! Schon bald verwerteten jedoch die Viernheimer Großmeister ihre Vorteile.


GM Vladimir Gurevich hatte in der englischen Eröffnung seinen Königsläufer für den weißen Damenspringer getauscht und GM Igor Kovalenko so einen Doppelbauern aufgebürdet. Der Viernheimer verfügte jedoch über ein sehr festes Zentrum und kam im Mittelspiel mit dem Vorstoß f2-f4 in Vorteil. Nachdem die Damen und Vladimirs Damenläufer abgetauscht wurden, musste er mit zwei Springern gegen das gegnerische Läuferpaar ankämpfen, ohne feste Stützpunkte und ohne die Nachteile der weißen Struktur ausnutzen zu können. Nach langer und zäher Verteidigung konnte er das Eindringen der weißen Türme nicht mehr stoppen.
1:4

IM Arno Zude war im damenlosen Mittelspiel gegen IM Dr. Günther Beikerts spanische Abtauschvariante in Nachteil geraten. Zwar wurde der schwarze Doppelbauer am Damenfügel aufgelöst, Weiß beherrschte jedoch das Zentrum. Ein Versehen des Viernheimers nutzte Arno mit einer kleinen Kombination, die zu einer vorteilhaften Stellung mit je zwei Türmen und einer Leichtfigur führte. Arnos Läufer war Günthers Springer klar überlegen, da er den Königsangriff der schwarzen Türme entscheidend unterstützte.
2:4

IM Boris Margolin wählte gegen GM Konstantin Tarlev eine seltene Zugfolge des geschlossenen Sizilianers. Da er seinen Damenspringer zurückhielt, konnte er im frühen Mittelspiel mit c2-c3 und d3-d4 mehr Platz im Zentrum für sich beanspruchen; das System wird gelegentlich als „the big clamp“ bezeichnet. Trotzdem verlief das Mittelspiel meist ausgeglichen ... bis Boris ein Versehen unterlief, das ihn seine Dame für Turm und Leichtfigur kostete. Die Kiebitze hätten gerne an die Verteidigung geglaubt, Tarlev setzte den Vorteil jedoch überzeugend um.
2:5

Auch in der Partie FM Ulrich WeberIM Maximilian Meinhardt ergab sich ein Stellungsbild aus dem geschlossenen Sizilianer mit frühem c2-c3, Uli behandelte die Stellung jedoch ganz im Stil der königsindischen Verteidigung mit vertauschten Farben, indem er seinen d-Bauern nur bis d3 vorzog. Im spannenden Mittelspiel wurde später in der Zeitnotphase der Damenflügel geöffnet und am Ende einer langen Abwicklung konnte Uli mithilfe einer Fesselung zunächst eine Qualität gewinnen, später dann die Partie.
3:5

Insgesamt etwas enttäuschend für Hofheim: Wir haben gut gekämpft und alles gegeben. Gegen die beiden deutlich stärkeren hat es jedoch nicht für einen Mannschaftspunkt gereicht.
Die erzielten Brettpunkte und das teils sehr gute Spiel stimmen uns jedoch optimistisch für das anstehende Bundesligawochenende in Hofheim, wo wir Hamburg und Kiel zu Gast haben.
(Erik Zude)


GM Jan-Christian Schröder und Exweltmeister Anatoli Karpow analysieren ihren Wettkampf:

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