Mannschaften - Bundesliga - Hofheim 12018 / 2019


1. und 2. Runde der 1. Bundesliga in Dresden
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1. Runde am Samstag, 10. November 2018 - 14:00 Uhr

    SF Berlin                    -  SV 1920 Hofheim             5½ : 2½
1.  GM Daniele Vocaturo          -  GM Jan-Christian Schröder    ½ : ½
2.  GM Wojciech Moranda          -  IM Thore Perske              1 : 0
3.  GM Jacek Tomczak             -  GM Stanislav Savchenko       ½ : ½
4.  IM Ilja Schneider            -  GM Gennadi Ginsburg          ½ : ½
5.  IM Marco Baldauf             -  GM Mathias Womacka           1 : 0
6.  GM Krzysztof Jakubowski      -  IM Davit Lobzhanidze         1 : 0
7.  IM Lars Thiede               -  GM Vladimir Gurevich         ½ : ½
8.  FM Emil Schmidek             -  IM Boris Margolin            ½ : ½

2. Runde am Sonntag, 11. November 2018 - 10:00 Uhr

    SV 1920 Hofheim              -  USV TU Dresden               3 : 5
1.  GM Jan-Christian Schröder    -  GM Pavel Eljanov             0 : 1
2.  IM Thore Perske              -  GM Zoltan Almasi             0 : 1
3.  GM Stanislav Savchenko       -  GM Liviu-Dieter Nisipeanu    0 : 1
4.  GM Gennadi Ginsburg          -  GM Mateusz Bartel            ½ : ½
5.  GM Mathias Womacka           -  IM Maximilian Neef           ½ : ½
6.  IM Davit Lobzhanidze         -  GM Uwe Bönsch                ½ : ½
7.  GM Vladimir Gurevich         -  GM Jens-Uwe Maiwald          ½ : ½
8.  IM Boris Margolin            -  FM Hans Möhn                 1 : 0

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Berliner und Dresdner Porzellan blieb heil

Es fühlt sich etwas seltsam an, als Einzelmannschaft in der 1. Bundesliga zu spielen. Nur wenige Tage vor der ersten Doppelrunde ist uns Reisepartner Aachen abhanden gekommen. Das heißt für uns, dass wir nicht mehr zusammen mit einer anderen Mannschaft (letzte Saison Hockenheim, diese Saison eigentlich Aachen) an einem Wochenende gegen zwei andere Mannschaften antreten, sondern fast alle Bundesliga-Wochenenden alleine gegen zwei Mannschaften bestreiten werden. Klar, auch vorher waren wir auf uns gestellt und die Ergebnisse unseres Reisepartners für uns eher irrelevant, aber trotzdem fühlen wir uns nun etwas einsam. Nur die zentrale Runde Anfang März in Berlin, wo alle Bundesliga-Mannschaften und die der Frauenbundesliga zusammenkommen, wird eine Ausnahme sein.

Die erste Doppelrunde der Saison führte uns nach Meißen, Heimatstandort der UKA-Gruppe, dem Sponsor von Gastgeber USV TU Dresden. Die Anreise gestaltete sich mit über einer Stunde Verspätung des Zugs nach Dresden schwierig, aber die Stadt mit der Albrechtsburg und dem weltberühmten Porzellan entschädigte dann mit blauem Himmel, Sonnenschein und ungewöhnlich warmem Wetter. Für die wenigen Kiebitze gab es am ersten Tag nur den Wettkampf Schachfreunde Berlin gegen Schachverein Hofheim zu sehen, nicht aber die zweite Partie des Kampfs um die Weltmeisterschaft zwischen Titelverteidiger Magnus Carlsen und Herausforderer Fabiano Caruana. Da die Dresdner Mannschaft am Samstag wegen des Ausfalls von Aachen spielfrei hatte, verströmte der Wettkampf eher das Flair einer Zweitliga-Runde.

Schachfreunde Berlin - Schachverein Hofheim 2,5:5,5

Gerne hätten wir in Meißen etwas Berliner oder Dresdner Porzellan zerschlagen, aber es hat nicht sein sollen. Gegen die Schachfreunde Berlin waren wir in unseren bisherigen Spielzeiten in der 1. Bundesliga noch nie erfolgreich gewesen, und diesmal lief es nicht anders. In drei Partien sahen unsere Stellungen mit der Zeit immer schwieriger aus, in zwei hatten wir Gewinnchancen; die drei gingen schließlich verloren und die zwei endeten unentschieden. (Ein typischer Ablauf, wenn eine schwächere auf eine stärkere Mannschaft trifft!) Zusammen mit den Remis in den anderen drei Partien ergab das am Ende eine 2½:5½-Niederlage.

An Brett 2 wurde IM Thore Perske von GM Moranda Wojciech systematisch überspielt und verpasste die wenigen Chancen auf Ausgleich, die ihm dabei blieben.

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Ähnlich wie bei Thore wurde auch die Stellungen von GM Mathias Womacka (gegen IM Marco Baldauf) und IM David Lobzhanidze (gegen GM Krzysztof Jakubowski) immer schwieriger und mussten nicht lange nach der Zeitkontrolle aufgegeben werden. GM Vladimir Gurevich (gegen IM Lars Thiede), GM Gennadi Ginsburg (gegen GM Ilja Schneider) und IM Boris Margolin (gegen FM Emil Schmidek) spielten nach mehr oder weniger wechselvollen Partieverläufen remis, wobei insbesondere Gennadi ausgangs der Eröffnung Schwierigkeiten zu bewältigen hatte.

Bundesligamannschaft Hofheim 1




An Brett 3 war die Partie von GM Stanislav Savchenko gegen den „polnischen Helden“ der Olympiade sehr interessant. GM Jacek Tomczak hatte ja bei der Olympiade in Batumi (Georgien) sehr erfolgreich gespielt (5,5 Punkte aus 7 Partien, Elo-Performance >2800!) und versprach für Stanislav ein schwieriger Gegner zu werden. Bei der Eröffnungsvariante, die dann aufs Brett kam, versuchte Stanislav eine über 30 Jahre (!) alte Analyse zu rekonstruieren, opferte erst einen, dann einen weiteren Bauern für bessere Figuren und gegnerische Entwicklungsschwierigkeiten, und erspielte sich damit realistische Gewinnchancen. Tomczak bekam erst mit dem Angebot eines Qualitätsopfers zwecks Entwicklung seiner Figuren ein Bein auf die Erde, gerade rechtzeitig, um mit seiner knapp gewordenen Bedenkzeit über die Runden zu kommen. Stanislav fand keinen Weg, seinen augenscheinlichen Vorteil zu bewahren, und musste in Remis abwickeln.

Bundesligamannschaft Hofheim 1 GM Jan-Christian Schröder wurde von GM Daniele Vocaturo eine Überraschung in der Eröffnung serviert. Schwarz ließ sich im Gegenzug für eine aktive Postierung seines schwarzfeldrigen Läufers die Rochade verderben. Das hatte Jan-Christian natürlich mal studiert, allerdings schon vor Jahren, und er musste daher erst mal viel Bedenkzeit investieren, um den richtigen Weg zu finden. Das gelang ihm dann gut, die Stellung nach 14 Zügen war sehr angenehm, die Restbedenkzeit allerdings nicht mehr reichlich. In der Folge verzichtete Vocaturo auf den Rückgewinn eines Bauern im Tausch für Figurendruck, Jan-Christian konnte seinen Mehrbauern in ein Doppelturmendspiel retten, woraus dann schnell ein Einzelturmendspiel mit Mehrbauer wurde, in dem auch Schwarz einen Freibauern hatte. Schließlich konnte Jan-Christian nur ein bekanntes Endspiel mit f+h-Bauern erreichen, dass theoretisch remis war.

Fünf Remis und drei Niederlagen: Wir hatten uns etwas mehr erhofft, können aber damit zufrieden sein, und das Ergebnis entsprach dem Wettkampfverlauf.





Schachverein Hofheim - USV TU Dresden 3:5

Sonntagnachmittag kurz nach 14:00 Uhr: Die Zeitkontrolle ist geschafft und wir schauen nach dem Spielstand. Dresden führt 3:2, Jan-Christian und Stanislav kämpfen hoffnungsvoll ums Remis und Boris hat wohl eine Gewinnstellung. Wir hoffen also auf ein 4:4, das gleiche Ergebnis wie letzte Saison, als wir überraschend einen Punkt erobert hatten.

Zuvor waren vier Partien remis ausgegangen und die an Brett 2 hatten wir verloren. Die Dresdner waren mit zwei 2700ern und zwei 2600ern richtig stark angetreten, nur an den hinteren Brettern konnten wir elomäßig halbwegs mithalten. Dementsprechend standen wir dort nach ein paar Stunden recht bequem, und auch unsere vorderen Bretter hielten ganz gut mit, nur der höhere Zeitverbrauch machte den Hofheimer Anhängern Sorgen. (Was Dresdner Anhängern gedacht haben mögen, ist nicht überlieferbar, da vor Ort kaum welche (keine?) gesehen wurden.)

Bundesligamannschaft Hofheim 1 GM Vladimir Gurevich (gegen IM Jens-Uwe Maiwald) und GM Mathias Womacka (gegen IM Maximilian Neef) erhielten die Gelegenheit, mit Schwarz das große Zentrum aufzustellen (e5-c5 gegen d3) und hatten keine Sorgen. An Brett 6 kam IM David Lobzhanidze gegen GM Uwe Bönsch etwas schlechter aus der Eröffnung, aber nach dem Damentausch wurde diese Partie als Erste remis gegeben; etwas später folgten dann Vladimir und Maiwald. Neef beschied ein erstes Remisangebot von Mathias noch abschlägig, wohl wegen Bedenken wegen der anderen Partien, aber später bot er es dann selbst an.

Bundesligamannschaft Hofheim 1




GM Gennadi Ginsburg bekam es diesmal mit dem GM Mateusz Bartel zu tun. Lange Zeit hielt Gennadi besser als gut mit, benötigte dafür aber deutlich mehr Zeit als sein polnischer Gegner. Die fehlte Gennadi dann später beim Festhalten seines kleinen Vorteils, so dass er bei sehr knapper Zeit sein Heil in Abtäuschen suchte, die zu einer klaren Remisstellung führten.

Bundesligamannschaft Hofheim 1

Der Hofheimer Unglücksrabe war IM Thore Perske, der mit Weiß gegen GM Zoltan Almasi spielte. Auch Thore durfte sich groß im Zentrum aufstellen (c4-e4 gegen d6), während Almasi eine Igelstellung einnahm. Längere Zeit lavierten die beiden, Almasi musste aufpassen, nicht vom Brett gefegt zu werden, während es Thore gelang, seine Stellung weiter zu verbessern, ohne schwarzes Gegenspiel zuzulassen. Die entscheidende Gelegenheit verpasste er, nachdem der ungarische Großmeister ein angebotenes Bauernopfer erst nach einer zwischenzeitlichen Zugwiederholung angenommen hatte. Ein anderer Zug an dieser Stelle (32.Lxg7!) und statt des Verlusts wäre Thores dritter Sieg gegen einen 2700er fällig gewesen! Schade um die verpasste Gelegenheit!

Es bleiben die drei noch laufenden Partien. GM Stanislav Savchenko hat das Mittelspiel gegen GM Dieter-Liviu Nisipeanu nur um den Preis eines Minusbauern im Turmendspiel überlebt. GM Jan-Christian Schröder hatte mit einiger Mühe den Bauern, den GM Pavel Eljanov erobert hatte, zurückgewonnen und ein Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm und Springer sowie je vier Bauern am Königsflügel erreicht, laborierte darin aber an der Schwäche eines eigenen, vorgerückten Bauern.

Bundesligamannschaft Hofheim 1 Und IM Boris Margolin hatte es geschafft, den König von FM Hans Möhn aus seiner Festung zu vertreiben und rückte ihm nun mit seinen Schwerfiguren zu Leibe. Wenn wir also die beiden schlechten Stellungen halten und die gute gewinnen würden, war noch ein Unentschieden im Mannschaftsergebnis möglich.

Doch zu viel konnte schiefgehen und ging schief; das Dresdner Porzellan hielt stand! Das Turmendspiel von Stanislav war schwierig und wäre wohl auch nicht zu halten gewesen, hätte er mehr Zeit gehabt. Jan-Christian geriet in eine Stellung mit gegenseitigem Zugzwang, wo die falsche Seite (er selbst) am Zug war. Boris wackelte ein bisschen, als er Hans Möhn die Möglichkeit erlaubte, sein Leiden in einem Doppelturmendspiel mit zwei Minusbauern zu verlängern (aber: die Hoffnung stirbt zuletzt!), sein junger Gegner ging jedoch daran vorbei und wurde wenige Züge später mattgesetzt.

Insgesamt fand der Wettkampf mit dem 3:5 also ein Ergebnis, bei dem die stärkere Mannschaft auch die glücklichere war. Unser Saisonauftakt entsprach den Erwartungen, wir haben ein paar Chancen generiert, aber noch nicht nutzen können. Als einer der Abstiegskandidaten im Feld müssen wir weiter unser Glück suchen!
(Arno Zude)