Mannschaften - Bundesliga - Hofheim 12018 / 2019


5. und 6. Runde der 1. Bundesliga in Hofheim

5. Runde am Samstag, 15. Dezember 2018 - 14:00 Uhr

Hamburg gewinnt klar gegen Hofheim I

Im ersten unserer beiden Heimspiele hatten wir gegen den Hamburger SK keine Chance. Bei besten Spielbedingungen im sehr schönen Kreishaus und sehr gelungener Organisation durch das Team um Anna-Luise Heymann-Lobzhanidze waren die Gäste klar überlegen und gewannen verdient mit 6:2.

An Brett 2 überraschte IM Thore Perske in der Tarrasch-Variante der Französischen Verteidigung GM Rasmus Svane schon früh mit einer seltenen Fortsetzung, der Hamburger umschiffte jedoch alle Klippen. Nach einem äußerlich ruhigen, aber spannenden Mittelspiel, in dem mal Weiß, mal Schwarz den einzig verbliebenen gegnerischen Läufer gegen einen Springer tauschen konnte, erhielt Thore schließlich einen vielversprechenden Raumvorteil im Endspiel mit je zwei Türmen und zwei Springern, Rasmus konnte sich jedoch befreien.
½-½

Gegen Retis Springerzug 1.Sf3 von GM Lubomir Ftacnik stellte sich GM Gennadi Ginsburg im Stile des altbewährten abgelehnten Damengambits auf, was Schwarz auch gegen Ftacniks Entwicklungsschema mit e2-e3 und Le2 anstelle von Retis Königsfianchetto eine solide Stellung einbrachte. Im Mittelspiel waren viele verschiedene Zentrumsformationen möglich, und auch die mit dem weißen Bauern auf e5 hätte nicht zwingend zu einem starken weißen Angriff führen müssen. Gennadi fand jedoch nicht das beste (einzige?) Verteidigungsmanöver, wonach Ftacnik überzeugend im Angriff gewann.
½-1½

Für einen kleinen Lichtblick sorgte GM Stanislav Savchenko am vierten Brett. Im Abgelehnten Damengambit hatte IM Jonas Lampert seinen Damenläufer ohne größere Probleme außerhalb der Bauernkette entwickeln können, nach dessen Abtausch erlangte Stanislav trotzdem eine kleine Initiative. Nach dem weiteren wechselhaftem Verlauf standen die Chancen im Endspiel mit je Turm und zwei Leichtfiguren ungefähr ausgeglichen, die stark geschwächte schwarze Königstellung wurde nach einem Zeitnotfehler jedoch plötzlich unhaltbar.
1½-1½

Auch nach der Zeitkontrolle lief es nicht besser.

Am Spitzenbrett musste sich GM Andrei Volokitin in der Katalanischen Eröffnung gegen eine moderne Variante mit frühem Sc3 verteidigen, mit der GM Nils Grandelius eine starke Druckstellung erlangte. Andrei zog alle Register, inklusive einem sehr kreativen Figurenopfer, konnte allerdings erst nach einem Zeitnotfehler des Schweden ein haltbares Endspiel erreichen. Vor der zweiten Zeitkontrolle ging Andrei jedoch die Bedenkzeit aus: Ein Rechenfehler beim angebotenen Übergang zum Bauernendspiel führte zur Niederlage.
1½-2½

Auch an Brett 8 entschied zu guter Letzt ein Blackout, allerdings ohne große Zeitknappheit. Aus einer englischen Eröffnung heraus steuerten WGM Sarah Hoolt und IM Erik Zude eine Benoni-Struktur an, allerdings mit dem verhalten wirkenden weißen Bauern auf e3 anstatt auf e4. Im Mittelspiel kam mir die Idee, mit f2-f4 ein schwarzes Turmopfer zu provozieren, das sofort zur Niederlage geführt hätte. Es gab gute Alternativen, die von mir gewählte - ein Bauernopfer - führte jedoch nach und nach zu großen Problemen, Sarah stand in der Zeitnotphase klar auf Gewinn. Die taktisch sehr komplizierte Stellung nach dem 40. Zug war zwar objektiv ausgeglichen, beim Berechnen einiger verwickelter Varianten schlich sich jedoch ein dicker Blackout ein, sodass die Hamburgerin doch noch zum verdienten Punkt kam.
1½-3½

Am Nachbarbrett stand inzwischen ebenfalls ein Punktgewinn für die Gäste an. In einer Nebenvariante der Französischen Tarraschvariante hatte sich IM Luis Engel eine vielversprechende Angriffsstellung mit einem Bauern auf e5 erspielt. IM Boris Margolin verteidigte sich zäh, konnte den unmittelbaren Verlust jedoch nur durch den Übergang in ein verlorenes Endspiel abwenden.
1½-4½

GM Sune Berg Hansen verließ nach 1.d4 d6 schon früh die typischen Alt-Indischen Bahnen, GM Jörg Hickls Aufstellung schien Ausgleichschancen zu bieten, allerdings geriet seine aktive Dame am Königsflügel in Bedrängnis. Um sie zu retten musste sich Jörg auf unvorteilhafte Abtauschoperationen sowie eine sehr passive Bauernstellung einlassen, die bald zum Verlust eines wertvollen Bauern und - nach zäher Gegenwehr - letztlich zur Niederlage führte.
1½-5½

An Brett 6 hielten sich die beiderseitigen Chancen in einem ruhigen System der sizilianischen Najdorfvariante zunächst ungefähr die Waage. IM David Lobzhanidze konnte das Figurenfeld d5 kontrollieren, der Hebel ...f7-f5 von GM Thies Heinemann erwischte ihn jedoch auf dem falschen Fuß. Das Turmendspiel mit einem Minusbauern war kaum zu verteidigen und wäre verloren gegangen, hätte David nicht geistesgegenwärtig in der letzten Zeitnotphase erfolgreich eine Pattfalle gestellt.
2-6

Insgesamt war Hamburg heute die deutlich überlegene Mannschaft und hat auch in dieser Höhe verdient gewonnen.

6. Runde am Sonntag, 16. Dezember 2018 - 10:00 Uhr

Unentschieden gegen Kiel

Auch der zweite Tag unseres Heim-Wochenendes brachte nicht den ersehnten Befreiungsschlag. Unser bisheriges gutes Spiel gegen die deutlich stärkeren Mannschaften - insbesondere in den ersten vier Runden - hatte Hoffnungen auf einen doppelten Punktgewinn geweckt, am Ende reichte es jedoch lediglich für den ersten Mannschaftspunkt der Saison.

GM Jörg Hickl bot GM Igor Khenkin in der Reti-Eröffnung früh merklichen Raumvorteil an, was dieser beherzt annahm. In einer Reti-Eröffnung mit vertauschten Farben konnte Igor die weißen Möglichkeiten Gegenspiel zu erlangen jedoch nicht im Zaum halten. Der Kampf war kurz, aber wechselhaft, Jörg konnte dem angebotenen Remis angesichts der drohenden Zeitnot jedoch nicht widerstehen.
½-½

Am Spitzenbrett konnte GM Andrei Volokitin in der klassischen Variante des offenen Sizilianers einen vielversprechenden Angriff starten. GM Ivan Salgado Lopez hatte ihn mit einer seltenen Zugfolge überrascht und seinen König verpflichtend in der Brettmitte belassen. Andreis Königsangriff hätte die Partie entscheiden können, allerdings verbrauchte er zu viel Bedenkzeit und musste schon früh auf das Zeitinkrement zurückgreifen. Nachdem er den Gewinn verpasste hatte, war die Punkteteilung in immer noch vorteilhafter Stellung folgerichtig.
1-1

Wieder steuerte GM Stanislav Savchenko einen vollen Punkt bei! Nach 1.c4 c6 lenkte GM Allan Stig Rasmussen in die Panov-Variante der Caro-Kann Verteidigung über. Stanislav erreichte mit dem Fianchetto seines Königsläufers und dem üblichen Opfer des Bauern d5 eine solide, aber zweischneidige Stellung. Im anschließenden damenlosen Mittelspiel verlor der für Kiel spielende dänische Großmeister in den sehr verwickelten taktischen Komplikationen bald den Faden, sodass der Hofheimer in ein klar gewonnenes Endspiel mit Mehrqualität abwickeln konnte.
2-1

An Brett 5 wurde GM Gennadi Ginsburg in der Tschigorin-Variante der Spanischen Eröffnung von der seltenen Zugfolge von GM Jakob Vang Glud leicht überrascht. Nach beiderseits flexiblem Spiel ergab sich die für die sizilianische Najdorf-Verteidigung typische Zentrumsformation. Angesichts der herannahenden Zeitnot wurde in ungefähr ausgeglichener Stellung Remis vereinbart.
2½-1½

IM Thore Perske wählte gegen GM Marcin Dziuba mit seine gewohnte Königsindischen Verteidigung. Im Fianchetto-System wählte er mit 6...c7-c6 und 7...Db6 eine seltene Nebenvariante, in der der Abtausch des Damenläufers gegen weißen Königsspringer zum Konzept gehört. Im weiteren Verlauf hätte der weiße Königsläufer allerdings im Mittelspiel einen entscheidenden Vorteil bedeutet, der Hamburger fand jedoch in Zeitnot nicht den besten Plan. Thore verteidigte sich sehr zäh, mit einem trotz Zeitnot gut berechneten Übergang ins Bauernendspiel erreichte er das rettende Remis, eine sehr starke Leistung unseres Jungtalents!
3-2

Angesichts der zwischenzeitlichen Führung sah es nun nach einem doppelten Punktgewinn für Hofheim aus: Einer verlorenen Partie standen zwei vielversprechende Stellungen gegenüber.

IM Oliver Brendel erlaubte gegen FM Dr. Ralph Junges Trompowski-Angriff die Überleitung in die französische Verteidigung, allerdings mit dem schwarzen Extrazug ...h7-h6. Die Frage, ob dieser Tempogewinn eher nützlich oder eher schädlich ist, trat jedoch angesichts der taktischen Verwicklungen am Damenflügel in den Hintergrund. Möglicherweise waren beide Spieler nicht auf die Französische Eröffnung vorbereitet, es war allerdings der Hofheimer, der sich in den Komplikationen verirrte. Nach einigen spektakulären Zügen stand Weiß auf Gewinn, den der Kieler auch gegen zähe Gegenwehr nach der Zeitkontrolle umsetzte.
3-3

An Brett 7 kam es in der Caro-Kann-Variante mit 4...Sf6 schon früh zu großen Stellungsungleichgewichten. IM Boris Margolin gelang es zwar den Damenläufer von GM Zbigniew Pakleza scheinbar dauerhaft am Königsflügel einzumauern, das schwarze Gegenspiel am Damenflügel führte jedoch zunächst zu einem sehr gefährlichen Freibauern, für dessen Neutralisierung Boris schließlich die Dame gegen einen Turm opfern musste. In der Zeitnotphase befreite der für Kiel spielende Großmeister dann seinen Damenläufer, um ihn nach einem Versehen jedoch für gegen den weit vorgerückten weißen d-Bauern hergeben zu müssen. Nach der Zeitkontrolle hofften wir auf einen Gewinn mit Turm und zwei Läufern gegen Dame und zwei verbundene Freibauern, die offene Stellung war jedoch sehr schwer zu spielen: Remis
3½-3½

Am Nachbarbrett hatte IM David Lobzhanidze nach der ersten Zeitkontrolle Gewinnchancen, GM Artur Jakubiec verteidigte das technisch schwierige Endspiel mit jeweils Turm und Springer bei einem schwarzen Mehrbauern jedoch sehr umsichtig. In einem ruhigen Italiener hatte es zunächst nach einem gefährlichen weißen Königsangriff ausgesehen, Davids Verteidigung hielt jedoch stand, der gewonnene Bauer hatte großes Potential. Kurz vor der zweiten Zeitkontrolle führte ein Zeitnotfehler schließlich zum Verlust des letzten schwarzen Bauern, wonach David das Endspiel mit Turm und Springer trotz großer Bemühungen nicht gewinnen konnte.
4-4

Letztlich reichte es nicht zu den angestrebten zwei Mannschaftspunkten, die Abstiegsgefahr wird real. Die Chancen zum Klassenerhalt bleiben jedoch intakt: Wir müssen nun gegen die Konkurrenten gewinnen!
(Erik Zude)