Mannschaften - Bundesliga - Hofheim 12018 / 2019


14. und 15. Runde der 1. Bundesliga in München
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14. Runde am Samstag, 6. April 2019 - 14:00 Uhr

    BCA Augsburg                 -  SV 1920 Hofheim             2½ : 5½
1.  Michael Prusikin             -  Andrei Volokitin             0 : 1
2.  G. Petar Arnaudov            -  Jan-Christian Schröder       ½ : ½
3.  Gregory Pitl                 -  Thore Perske                 0 : 1
4.  Milos Stankovic              -  Gennadi Ginsburg             1 : 0
5.  Eckhard Schmittdiel          -  Mathias Womacka              0 : 1
6.  Velislav Kukov               -  Davit Lobzhanidze            ½ : ½
7.  Christoph Lipok              -  Vladimir Gurevich            ½ : ½
8.  Dr. Werner Mueller           -  Boris Margolin               0 : 1

15. Runde am Sonntag, 7. April 2019 - 10:00 Uhr

    SV 1920 Hofheim              -  MSA Zugzwang                3½ : 4½
1.  Andrei Volokitin             -  Leon Mons                    0 : 1
2.  Jan-Christian Schröder       -  Stefan Kindermann            1 : 0
3.  Thore Perske                 -  Gerald Hertneck              ½ : ½
4.  Gennadi Ginsburg             -  Robert Zysk                  ½ : ½
5.  Mathias Womacka              -  Stefan Bromberger            0 : 1
6.  Davit Lobzhanidze            -  Erasmus Gerigk               ½ : ½
7.  Vladimir Gurevich            -  Dr. Falk Hoffmeyer           ½ : ½
8.  Boris Margolin               -  Markus Lammers               ½ : ½

Klarer Zittersieg in der vorletzten Runde

Augsburg - Hofheim 2,5:5,5

Die letzte Doppelrunde in der 1. Bundesliga führte die Hofheimer 1. Mannschaft nach München. Gastgeber war der nach der Münchner Schachakademie benannte Verein MSA Zugzwang, der unter erschwerten Bedingungen — an dem Wettkampf am Samstag waren sie aufgrund des Rückzugs von DJK Aachen gar nicht beteiligt — diese beiden Runden sehr ordentlich ausrichtete.

Während der Reisepartner der Münchner, BCA Augsburg, schon vor dieser Doppelrunde vor dem Abstieg sicher war, hatten die Münchner noch gar keinen Mannschaftspunkt auf dem Konto und unsere Hofheimer erst in den beiden vorangehenden Bundesliga-Wochenenden mit einem Unentschieden und einem Gewinn ihre ersten drei Mannschaftspunkte erkämpft. Immerhin war damit der Abstieg noch nicht besiegelt, denn mit zwei Siegen in München würden wir die drei Punkte vor uns liegenden Düsseldorfer überholen (die gegen Deizisau und Baden-Baden doch sicherlich chancenlos sein würden?!) und hatten auch die Chance, selbst die um vier Punkte führenden Kieler noch abzufangen, die mit Berlin und Dresden ebenfalls kein leichtes Los hatten. Auf unserem Programm stand also, unbedingt beide Wettkämpfe an diesem Wochenende zu gewinnen!

Am ersten Tag wurde uns dies auch nicht so schwer gemacht. Da die Augsburger nichts mehr zu gewinnen oder verlieren hatten, ließen sie ihre stärksten Großmeister gar nicht erst anreisen und wir waren an fast allen Brettern elomäßig vorne, teilweise deutlich. Trotzdem geriet in den ersten beiden Stunden die Hälfte unserer Spieler mit der Bedenkzeit klar ins Hintertreffen, was im Allgemeinen eine Hypothek für die vierte Spielstunde bedeutet. Nicht umsonst wird diese auch „Zeitnotphase“ genannt! Die Stellungen gaben aber noch keinen Anlass zur Besorgnis auf Hofheimer Seite.

Eine erste, zunächst positive Entwicklung zeichnete sich an Brett 7 ab, wo GM Vladimir Gurevich seinen Gegner in einem Zweispringerspiel im Nachzuge überspielte. Vladimirs Doppelbauer auf c3/c4 nahm FM Christoph Lipok sehr effektiv die Springerfelder im Zentrum, während ein gähnendes Loch auf d5 auf die Besetzung durch einen weißen Springer oder die weiße Dame wartete. Im Gegenzug konnte Schwarz durch den Hebel f5 gegen e4 die f-Linie halb öffnen und sich so etwas mehr Raum verschaffen. Leider unterlief Vladimir danach ein technischer Lapsus: Er ließ das Qualitätsopfer Tf5xSf3 ... g2xf3 zu, was die Partie sehr verschärfte, Gegenspiel erlaubte und das Risiko für Vladimir deutlich erhöhte. Das erschien ihm zu gefährlich und so bot er Remis an, was sein Gegner auch annahm. Objektiv und im Mannschaftssinne (nur nicht verlieren!) eine vertretbare Entscheidung, aber nach den Hoffnungen, die seine ausgezeichnete Stellung nur wenige Züge vorher ausgelöst hatte, doch eine kleine Enttäuschung. Spielstand: ½:½.

Danach ging es dann schon in die Zeitnotphase, die sich bei einigen Hofheimer Spielern sehr viel früher als bei ihren Gegnern einstellte. Besonders hart erwischte es GM Gennadi Ginsburg, der in der sizilianischen Najdorf-Variante feststellen musste, dass sein schwarzer Springer auf d4 eher exponiert als gut platziert stand. IM Milos Stankovic konnte um den Springer herum spielen und startete einen Königsangriff, gegen den Gennadi auch unter Einsatz seiner letzten Zeitreserven kein Gegenmittel fand. Vielmehr war Weiß sehr effizient darin, den ganzen Punkt einzufahren. Spielstand ½:1½ (aus Hofheimer Sicht).

An Brett 6 bekam IM David Lobzhanidze es mit einem königsindischen Angriff von IM Velislav Kukov zu tun. Da David noch nicht rochiert hatte, nutzte er die Gelegenheit, durch Bauernvormarsch am Königsflügel den vorgeschobenen weißen e5-bauern zu unterminieren. Ein Tausch des schwarzen g-Bauern gegen den weißen e5-Bauern verbesserte die schwarze Struktur und verschlechterte die weiße. In der Folge vermochte David aber die weißen Möglichkeiten nicht unter Kontrolle zu halten, Weiß gewann das Läuferpaar und beherrschte die schwarzen Felder am Königsflügel, und David bot bei knapp werdender Zeit klugerweise Remis an. Sein Gegner war einverstanden, Spielstand also 1:2.

Als Ausgleich für den Verlust an Brett 4 hatten die Hofheimer Unterstützer eigentlich die Partie von IM Thore Perske an Brett 3 ausgemacht. Sie war von einem c3-Sizilianer über eine Isolani-Stellung in ein Schwerfigurenmittelspiel mit gutem Springer gegen schlechten Läufer übergegangen, in dem der Läufer von IM Gregory Pitl darunter litt, hinter seinen eigenen Bauern eingesperrt zu sein. Thore unterband sorgfältig jedes Gegenspiel, überstürzte nichts, verstärkte hier und da die eigene Stellung, gewann schließlich einen Bauern und schien auf dem Weg zu einem klaren Gewinn. Bei knapper Zeit versuchte er dann aber eine Abwicklung, die so nicht funktionierte, Gegenspiel erlaubte und die Stellung wieder unklar machte.

Am Spitzenbrett nahm sich GM Andrei Volokitin gewohnt viel Zeit, um GM Michael Prusikin in einer der Hauptvarianten der französischen Steinitz-Verteidigung wenigstens etwas Eröffnungsvorteil (bzw. nach dem Damentausch, Endspielvorteil) abzuringen. Ob ihm das gelang, war durchaus unklar, neigte sein inzwischen nicht mehr durch Kollegen auf d4 oder f4 gestützter Zentralbauer e5 doch langfristig zur Schwäche. Bis zur Zeitkontrolle nach dem 40. Zug erreichte Andrei jedoch ein Turmendspiel mit Mehrbauer, welches durchaus Gewinnchancen versprach.

Mit einer Art Katalanisch ohne d2-d4 bekam es GM Jan-Christian Schröder an Brett 2 zu tun. Jan-Christian nahm den weißen Bauern auf c4 und hielt hartnäckig an ihm fest. GM G. Petar Arnaudov erlangte zwar Kompensation für seinen Minusbauern, aber eine lange Abwicklung führte lediglich zu klarem Ausgleich in einer Stellung, in der man lieber auf der schwarzen Seite spielen würde.

Auch GM Mathias Womacka kam an Brett 5 gut aus der Eröffnung heraus. GM Eckhardt Schmittdiel spielte die von ihren Jüngern so genannte „Kalaschnikow“-Variante der sizilianischen Verteidigung und unternahm keine ernsthaften Versuche, dem Weißen die Herrschaft über d5 streitig zu machen. Bis zur Zeitkontrolle erreichte Mathias ein klar vorteilhaftes Endspiel, musste aber erst noch zeigen, wie er in die gegnerische Stellung eindringen und seinen Vorteil in etwas Zählbares verwandeln wollte.

Am 8. Brett kam ein geschlossener Sizilianer aufs Brett, dem IM Boris Margolin mit 3...Sd4 sogleich eine besondere Note gab. In der Folge schien Weiß optisch leicht im Vorteil, bis sich schließlich im 26. Zug ein Doppelturmendspiel mit je drei Bauern auf dem Königsflügel und einem Bauern am Damenflügel ergab. Eigentlich total ausgeglichen, aber bei knapp werdender Zeit machte FM Werner Müller kleine Zugeständnisse, die Boris den weißen Bauern am Damenflügel gewinnen ließen, ohne seinen eigenen dafür hergeben zu müssen.

Zur Zeitkontrolle lagen wir also immer noch mit 1:2 hinten, hatten jedoch an allen verbliebenen fünf Brettern leichte bis große Stellungsvorteile. Aber wer würde die nötigen zwei Siege beisteuern?

Jan-Christian versuchte noch ziemlich viele Züge lang, etwas aus seinem kleinen Vorteil zu machen, aber die Stellung bot dazu zu wenig Anhaltspunkte. Nach einem Blick auf die anderen Bretter bot er daher Remis an: Spielstand 1½:2½.

Mathias steckte viel Bedenkzeit in die Verwertung seines Vorteils, die bei nicht so zäher Gegenwehr recht glatt ging: Ausgleich zum 2½:2½!

Auch bei Andrei entwickelte sich das Turmendspiel mit Mehrbauer positiv und er sackte den vollen Punkt ein: 3½:2½!

Thore musste mit seiner nach der Zeitkontrolle unklaren Stellung von vorne anfangen. Sein Gegner erlaubte ihm, erneut in eine aussichtsreiche Stellung zu kommen. Der Blick auf den Spielstand signalisierte zwar, dass zwei Remis (von Thore und Boris) zum Mannschaftssieg reichten, aber so geht das nicht in der 1. Liga! Vielmehr kämpften beide bis zum (süßen) Ende weiter. Thores Gegner musste aufgeben, als er in einem plötzlichen Mattangriff entscheidend Material verlieren würde. Bei Boris war es dem unbedarften Kiebitz lange nicht klar, ob der Mehrbauer am Damenflügel zum Gewinn ausreichen würde. Boris nahm es ganz praktisch, versuchte das eine Manöver, dann ein anderes, ging wieder zurück, bis seinem Gegner nach sechs Stunden Spielzeit und mit nur noch 30 Sekunden Bedenkzeit pro Zug ein Fehler unterlief, der sofort alles klar machte.

Insgesamt also ein deutlicher 5½:2½-Sieg, der auch in dieser Höhe voll verdient war. Blieb noch der Blick auf das Ergebnis bei der Konkurrenz: Beim Wettkampf Kiel-Berlin unterlief dem achten Brett der Berliner bei dem Versuch, etwas aus einem noch zu sichernden Mehrbauern zu machen, im 51. Zug ein Fehler, der zum schnellen Partieverlust führte. Der Wettkampf ging 4:4 aus und brachte Kiel damit auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz außer Reichweite der Hofheimer. Schade!
(Arno Zude)

Zu kurz gesprungen

SV 1920 Hofheim - MSA Zugzwang 3½ : 4½

Mit zwei Wochen Abstand lässt es sich leichter über den letzten Spieltag in der diesjährigen Bundesligasaison schreiben, die für uns Hofheimer selbst nach der letzten Partie noch ausgesprochen unglücklich zu Ende ging. Auf der Rückfahrt von München hatte ich gerade meinen Laptop ausgepackt, um diesen Bericht anzufangen, als der Zug stark bremste und zum Halt kam. Kurz darauf erläuterte eine Durchsage den Grund („Unfall mit Personenschaden“) und bereitete die Reisenden auf das Kommende vor (mindestens zwei Stunden Verzögerung). Wir mussten unseren Wagen räumen, vor dem die Rettungskräfte im Einsatz waren, und an ernsthafte Arbeit war nicht zu denken. Schließlich rollte der Zug weiter zum kurzfristig zum ICE-Bahnhof aufgewerteten Halt in Dinkelscherben, alle Fahrgäste stiegen aus und wechselten eine Viertelstunde später auf dem anderen Bahnsteig in den nachfolgenden ICE, der damit überfüllt war. Ein für viele Menschen unglücklicher Tag ging für uns erst nach Mitternacht zu Ende.

Eigentlich hätte die letzte Runde für Hofheim etwas leichter werden sollen als erwartet. Durch ihr in letzter Minute errungenes Unentschieden gegen Berlin waren die vor uns liegenden Kieler nun außer Reichweite, und um Düsseldorf noch zu überholen würde uns auch ein 4:4 gegen MSA Zugzwang genügen. Die Münchner hatten angekündigt, dass sie die Liga nicht mit null Punkten verlassen wollten, und gingen voll motiviert an die Bretter, an denen wir trotzdem nach Elo leicht vorne lagen. Der Spielverlauf ließ das aber nicht erkennen. Vielmehr mussten wir uns schließlich damit zufrieden geben, nicht höher als 3,5:4,5 verloren zu haben.

Am längsten kämpfte IM David Lobzhanidze um einen vollen Punkt. David hatte die ganze Partie über versucht, gegen den zentralen Doppelbauern von FM Erasmus Gerigk etwas Handfestes zu erreichen. Beide Seiten übten sich im langwierigen Manövrieren. David schien in die Vorhand zu kommen, als es ihm gelang, den Doppelbauern auf der e-Linie zu isolieren, aber dafür musste er das gegnerische Konterspiel im Zaum halten. An einer Stelle verpasste David eine Möglichkeit, das sichere Lavieren aufzugeben und in eine Phase beiderseitigen Bauernfressens überzugehen. Ob das der entscheidende halbe Punkt gewesen wäre? Danach ließ Erasmus nichts mehr anbrennen und Davids optischer Vorteil schwand dahin.

Zuvor hatte sich IM Boris Margolin aus kritischer Lage befreit. Boris hatte seine Partie wie gewohnt auf lange Sicht angelegt, angesichts des soliden Spanischen Vierspringerspiels auf dem Brett blieb ihm auch nicht viel anderes übrig. Jedoch erspielte sich eher IM Markus Lammers im weiteren Verlauf die angenehmere Stellung mit Ideen für aktives Spiel. Bei knapper Zeit sah sich Boris vor wie Wahl gestellt, entweder seinen Springer zeitweise in die Ecke zu stellen oder sich auf unübersichtliche Verwicklungen einzulassen, bei denen sein König in höchster Gefahr schwebte. Boris entschied sich für den Springer in der Ecke und landete danach in einem kritischen Turmendspiel mit einem Minusbauern und Bauernschwächen. Dieses verteidigte er zäh zum Remis und blieb damit zum Saisonende einer der wenigen Hofheimer mit mehr als 50% in der Endabrechnung (7,5 Punkte aus 14 Partien) und derjenige mit dem höchsten Elo-Plus!

Auch GM Gennadi Ginsburg mühte sich lange um den ganzen Punkt, länger, als eigentlich gut war. Sein Gegner IM Robert Zysk setzte ihm die Hippopotamus-Verteidigung vor, bei der Schwarz sich erst einmal auf „seinen“ drei Reihen entwickelt, egal, wie sich Weiß aufbaut. Weiß hat zwar mehr Raum, muss aber immer damit rechnen, dass Schwarz plötzlich mit einem von fünf oder sechs möglichen Bauernvorstößen die Stellung aufhebelt und Ausgleich oder mehr erreicht. Nachdem Weiß mit d4-d5 vorgestoßen war und Schwarz die Stellung mit e6-e5 geschlossen gehalten hatte, war klar, wohin die Reise ging: Weiß spielt am Damenflügel, Schwarz am Königsflügel. Gennadis Spiel wurde schneller gefährlich und hier dürfen wir wohl auch einem nicht gewonnenen halben Punkt nachtrauern, denn seine Abwicklung mit Qualitätsopfer und Schwenk auf Königsangriff reichte nur zu Dauerschach. Damit nicht zufrieden, versuchte es Gennadi nach der Zeitkontrolle weiter mit Dame, Läufer und vier Bauern gegen Dame, Turm und drei Bauern. Die Damen zu tauschen war dann aber riskant, nahm ihm dies doch die Möglichkeit, mit fortdauernden Schachs dem Schwarzen eigene Gewinnversuche zu verleiden. In der Tat wog der schwarze Freibauer in der Mitte die beiden blockierten Freibauern des Weißen am Damenflügel mehr als auf, aber Robert war ganz darauf aus, den Mannschaftssieg zu sichern, ließ den möglichen Gewinn links liegen und gab sich mit dem Remis zufrieden.

Schon vor der Zeitkontrolle war die Partie am Spitzenbrett zu Ungunsten von GM Andrei Volokitin entschieden, auch wenn es noch einige Züge brauchte, bis GM Leon Mons den ganzen Punkt eingetütet hatte. Beide Seiten hatten frühzeitig die bekannte sizilianische Eröffnungstheorie verlassen, und es ergab sich ein strategisch anspruchsvolles Spiel, bis sich die Stellung öffnete und ausgeglichen war. Andreis Stellung schien jedoch lockerer und weniger fehlertolerant. Irgendetwas muss dann in seiner Vorausberechnung schief gegangen sein, denn sein Turmopfer mit Angriff auf den weißen König führte nicht zum Rückgewinn des geopferten Materials. Vielmehr war der hängende weiße Turm indirekt gedeckt, und Andrei bekam in der langen Abwicklung nur eine Leichtfigur zurück. Das Endspiel mit Turm und zwei Bauern gegen Springer und drei Bauern spielte Leon dann sehr genau und ließ am Ergebnis keinen Zweifel aufkommen.

Hochspannend und sehr taktisch geprägt war die Partie von GM Jan-Christian Schröder und GM Stefan Kindermann an Brett 2. Schwarz nahm in einer unüblichen Französisch-Variante schnell das weiße Zentrum auseinander, um den Preis des weißen Gegenangriffs auf der geschwächten Diagonale h5-e8. Nach 18 Zügen beruhigte sich das Spiel etwas, Jan-Christian hatte zwei Leichtfiguren gegen einen Turm und einen Bauern hergegeben, dafür aber Kompensation in Gestalt des nicht sehr sicher im Zentrum stehenden schwarzen Königs bekommen. In der Folge waren beide Seiten schwer gefordert, bei knapper Zeit die vielen taktischen Möglichkeiten gebührend zu würdigen. Jan-Christian gelang dies gut, aber Stefan unterlief ein Fehler, der ihn vier Züge später zur Aufgabe zwang.

Ein Brett daneben war der königsindische Aufbau von IM Thore Perske ausgangs der Eröffnung noch in Ordnung, aber der spätere Tausch seines f-Bauern gegen den weißen b-Bauern erwies sich als verfehlt. GM Gerald Hertneck erlangte bald einen Mehrbauern plus Stellungsvorteil. Die Verwertung des Vorteils gelang Gerald aber nicht so gut, und schon bald hatte Thore die Partie wieder in der Remisbreite. Noch einmal Glück gehabt!

GM Mathias Womacka erlaubte dem Weißen in einer Bogo-Indisch-Variante den Aufbau eines großen Zentrums (c4, d4 und e4), das er postwendend mit d7-d5 und c7-c5 attackierte. GM Stefan Bromberger setzte mit b2-b4 noch einen drauf und durch den Variantendschungel hindurch erreichten die Spieler eine stabile Stellung, in der Schwarz das Läuferpaar, Weiß aber mit dem starken Be5 gefährliche Angriffschancen hatte. Zwei Fehler später rückte der Bauer dann mit durchschlagendem Effekt vor und ein Turmopfer auf g7 zerrte den schwarzen König ins Freie, aber hier verpasste nun Stefan die Gelegenheit, den Sack zuzumachen, und ließ Mathias in ein Endspiel mit schlechter Stellung, aber immerhin einer Mehrqualität entkommen. Die gab Mathias im 40. Zug zurück, aber seine Stellung blieb schwierig und sein König gefährdet, und eine plötzliche Mattdrohung veranlasste ihn zur Aufgabe. Erst später wurde den beiden Spielern klar, dass sie einer Fata Morgana aufgesessen waren und das Matt noch pariert werden konnte! Mathias hätte noch lange ums Remis kämpfen können! Ob das der entscheidende halbe Punkt war? Andererseits hat diese Partie angesichts ihres Verlaufs das angemessene Ergebnis gefunden.

Schließlich war da noch die Partie von GM Vladimir Gurevich, in der Vladimir mit Schwarz keine Schwierigkeiten hatte, Ausgleich zu erreichen. An einer Stelle, wo sich FM Falk Hoffmeyer entscheiden musste, ob er zwei Leichtfiguren für einen Turm und zwei Bauern hergeben oder lieber normal weiterspielen sollte mit einer leicht bedrohlich aussehenden Stellung von Schwarz, entschieden sich beide Spieler, jedem Risiko aus dem Weg zu gehen und vereinbarten Remis. Das war das erste Ergebnis dieses Wettkampfs gewesen, das die Grundlage für die zuvor beschriebenen Verwicklungen legte.

Insgesamt ist zu konstatieren, dass sich unsere Gastgeber ihren ersten Sieg zum Schluss dieser Saison redlich verdient haben. Der eine oder andere halbe Punkt mehr wäre für uns wohl drin gewesen, für MSA Zugzwang aber auch. Mit dieser Niederlage sind wir auf Platz 14 in der Tabelle geblieben … nach Mannschaftspunkten. Nach Brettpunkten wären wir 11. geworden! Dieser Umstand zeigt denn auch unser Hauptproblem in dieser Saison auf: die ungünstige Verteilung der errungenen Brettpunkte auf die Wettkämpfe. Die knappen 3,5:4,5-Verluste gegen die Top-Mannschaften aus Hockenheim und Solingen und moderaten 3:5-Niederlagen gegen die Plätze 4-7 der Endtabelle mögen zwar unserem Selbstwertgefühl gut getan haben, aber lediglich zweieinhalb dieser Brettpunkte, bestmöglich gegen unsere direkten Abstiegskonkurrenten verteilt, hätten uns auch nach Mannschaftspunkten locker auf Platz 11 oder 12 gebracht. Dumm gelaufen!

Nun ja, unter ähnlichen Phantomschmerzen werden wohl die meisten Mannschaften der Liga leiden. Wir müssen nun erst mal unsere Wunden lecken, sehen, welche Änderungen die nächste Saison für uns bringt, und dann in fünf Monaten mit frischem und neuem Mut wieder an die Bretter gehen!
(Arno Zude)